WU Wien vs Hauptuni Wien: Zu den Hörsaalbesetzungen

Am Dienstag hielt nach dem Sternenmarsch eine Gruppe von Studenten (erneut) das Audimax besetzt:

Zuvor hatten mehrere hundert Studenten “alternative Vollversammlungen” an der Uni Wien abgehalten. Zunächst wurde im Hörsaal 7 darüber debattiert, ob daraus eine Besetzung werden soll bzw. welcher Hörsaal sich eignen würde. Schließlich strömten immer mehr Studenten in Richtung Audimax und besetzten den größten Hörsaal Wiens.

Zwei Stunden danach war bereits mit der Schaffung einer Infrastruktur begonnen worden. Eine Organisationsgruppe und eine “Volksküche” wurden eingerichtet, ein DJ legte Musik auf. Über das weitere Vorgehen herrschte indes bis in den Morgen hinein Uneinigkeit.

Die Vorschläge, die im Plenum gemacht wurden, reichten von wöchentlichen Demos über Besetzungen an wechselnden Standorten bis zum Verbleib im Audimax oder einer Party. Der Internet-Videostream aus dem Audimax hatte um 23.30 Uhr mehr als tausend Zuseher, auch auf der sozialen Plattform “Facebook” wurde intensiv über eine mögliche längerfristige Besetzung des Audimax diskutiert. ©Kurier

Heute Abend habe ich das La Boule mit meiner Anwesenheit erfreut und durfte dort einen Geschichtestudenten kennenlernen, welcher sich ganz klar für diverse Hörsaalbesetzungen stark machte. Dass ich eine gesunde Skepsis gegen jene Besetzungen äußerte, verärgerte ihn deutlich. Meine Anmerkung, dass das Audimax seiner eigentlichen Nutzung entzogen wird und den Universitäten nur unnötige Zusatzkosten beschert, stellte ihn erwartungsgemäß noch weniger zufrieden. Was bilde ich mir ein, dass ich gegen Hörsaalbesetzungen bin? Ich bin doch bestimmt ein ignoranter Arbeitnehmer, der sich für das Bildungswesen in keiner Weise interessiert. Naja, nicht ganz. Meine Klarstellung, dass ich an der WU Wien und der Hauptuni Wien studiere entlockte ihm lediglich ein: “War eh klar. Ein WUler! Interessierst dich nur für die Interessen der Schwarzen.”

Ui, folgt nun der Kampf der Universitäten?

Ich finde es großartig, dass die Proteste und Hörsaalbesetzungen (in der Vergangenheit) die Bildungskrise aufgezeigt haben. Nur komme ich mit manchen Vorgehensweisen nicht zurecht:

Der Dialog: Die Forderungen der Besetzer des Audimax der Universität Wien waren vor einem Jahr so unterschiedlich wie die daran beteiligten Gruppen. Jeder hat etwas zu sagen. Jeder “Antrag” wird befürwortet. Aber was wollt ihr nun eigentlich konkret? Zum Teil finden sich dort unmögliche Themen, welche mit der Uni direkt nicht viel zu tun haben. Auch protestieren meiner Meinung nach viele lediglich um des Protestes Willen.

Der Einfluss der politischen Gesinnung: Ich finde es ärgerlich, dass Studierende, welche Burschenschaften angehören und/oder eine eher rechte Linie verfolgen, von den Diskussionen ausgeschlossen werden. Meiner Meinung nach darf die politische Gesinnung bei solchen Protesten keinen Einfluss spielen. Schließlich verfolgen wir Studierende doch grundsätzlich die gleichen Interessen. “Wir Studierende” sollten doch zusammenhalten, unabhängig davon ob man bei bei der FPÖ oder den Grünen ein Kreuzerl macht.

Der Alkohol: Der Alkohol ist bei so ziemlich allen Protesten und Besetzungen präsent. Ich kann nachvollziehen, dass die Medien unseren lieben Audimaxler als betrunkenes Partyvolk darstellt, da ich das vor Ort zu manchen Zeiten ganz genauso wahrgenommen habe. “Alkohol gehört einfach dazu”, versucht mir der Studienkollege im La Boule weis zu machen. Eine unbefriedigende Antwort! Ich denke, dass das Image eines “Partyvolks” weniger dazu beiträgt in der Öffentlichkeit und unter den Politikern ernst genommen zu werden.

Das Gespräch mit dem Geschichtestudenten führte im Endeffekt zu einer Akzeptanz von beiden Seiten. Die anfänglichen Emotionen haben sich gelegt und wurden mit einem Bier todgeschwiegen. Liebe, Freude, Eierkuchen. Schön ist die Welt!

Hier ist übrigens der Trailer zum neuen Unibrennt-Film:

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Eingeordnet unter Politik & Gesellschaft, Universität

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